Als ich vor einigen Jahren den Begriff “spirituelles bypassing” lernte und was er bedeutet, habe ich mir eingestanden, dass ich definitiv zu diesen Bypassern gehörte.

Spirituelles Bypassen, so wie ich es verstehe, bedeutet, dass wir glauben, dass wir durch spirituelle Arbeit / Praktiken uns dem Licht und der Liebe im Leben annähern. Was auch stimmt.

Doch unser Ego kann sich dann so sehr an diese Idee anhaften, dass es nur noch Licht und Liebe Situationen sehen und kreieren möchte.

Dies kann zu einer ständigen stressigen Flucht vor den Dingen führen, die wir nicht so toll finden / die unser Ego nicht als Liebe anerkennt.

Die Sache hier ist, dass die meisten von uns eigentlich gar nicht so genau wissen, was Liebe überhaupt ist.
Denn wir haben von der Gesellschaft, in der wir aufwuchsen, eine konditionierte Liebe gelernt. Eine Liebe, die manche Menschen, Verhaltensweisen und Dinge “liebt” und andere Dinge und Verhaltensweisen eben nicht.

Doch die Erfahrung, die ich mit kosmischer Liebe habe, ist, dass sie immer da ist. In Allem und Jedem. Du kannst dir vorstellen, dass die kosmische Liebe wie ein klarer Fluss ist, der durch Alles und Jeden hindurchfließt. Selbst durch den “bösesten” Menschen.
In solch “bösen Menschen” ist dieser Fluss lediglich mit viel Schlamm und anderem Shit bedeckt.

Wenn wir uns also auf eine Reise des spirituellen Erwachens begeben, ist es für unser Ego verlockend, sich nur noch nach “Positivem” und “High Vibe” Menschen und Dingen zu orientieren.

Doch was wir da vergessen, sind die Schatten in uns selbst.
Jede und jeder von uns trägt diese Schatten in sich. Denn wir wuchsen in einer Gesellschaft auf, die uns zeigte, dass es notwendig ist, bestimmte Aspekte unseres Selbst in die Dunkelheit unseres Un- und Unterbewusstseins zu drängen. Diese Aspekte sind in der Regel Wut, Trauer, Verspieltheit, Unbeschwertheit etc…im Grunde die Dinge, die Kinder meistens sehr unverblümt ausleben.

Da diese Verhaltensweisen und Emotionen gesellschaftlich nicht anerkannt sind, werden wir von klein auf konditioniert: Wir lernen, dass wir von unserem Umfeld nur angenommen und geliebt werden, wenn wir uns auf eine bestimmte Art und Weise verhalten.
Um dies zu erreichen, schieben wir Teile von uns (Wut, Angst, Traurigkeit, Verspieltheit, etc.) tief in unser Bewusstsein, wo sie zunehmend in Vergessenheit geraten. Doch niemals verschwinden. Sie sind nach wie vor ein Teil von uns, nur ein unbewusster.

Teile, die von unserem Bewusstsein in’s Unterbewusstsein geschoben werden, brauchen in unserem Bewusstsein einen Ersatz. So bildet sich nach und nach unsere “Persönlichkeit”. manche Menschen werden vielleicht arrogant und besserwisserisch, andere sagen sich selbst oft, dass sie “dumm” sind. Manche von uns finden Hobbies und andere Beschäftigungen, die dieses Loch füllen. Die Liste ist lang… Doch selten sind diese Beschäftigungen unsere wahren Essenz nahe.
Manche dieser Beschäftigungen und Verhaltensweisen scheinen gesünder als andere. Manche offensichtlicher als andere. Doch wir alle haben sie.

Der Grund, warum es so leicht ist, sich dieser ganzen Sache nie bewusst zu werden, ist, weil es eine Gesellschaftsstruktur gibt, die das Unterdrücken unserer wahren Essenz unterstützt. Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Fernsehen, Kino, Schule, Arbeit…es gibt wahnsinnig viele Dinge zu konsumieren, die dafür sorgen, dass wir uns unserer Löcher nur schwer bewusst werden.

Wenn wir nun also auf einer Reise im Leben sind, um zufrieden, gesund und glücklich zu werden (oft, nachdem wir krank sind, uns ausgelaugt fühlen und ein Gefühl bekommen, dass da doch noch “mehr im Leben sein muss” (ja, deine Seele! 💕), kommen wir auf diesen spirituellen Weg – übrigens glaube ich, dass wir alle spirituelle Wesen sind, wir sind uns dieser Sache nur unterschiedlich bewusst.
Und dieser spirituelle Weg verspricht uns Freiheit, Liebe und “Alles Gut”.

Doch um dort hin zu kommen, zurück zu unserer wahren Essenz, ist es notwendig, dass wir all die Aspekte unserer selbst, die wir über die Jahre hinweg verdrängt und unterdrückt hatten, wieder an die Oberfläche kommen lassen.
Und auf dem Weg dort hin werden uns all die Emotionen begegnen, die wir verleugnet hatten. Angst, Scham, Wut, Trauer, Leichtigkeit, Selbstbewusstsein, etc. Da wir möglicherweise so viel Zeit in unserem Leben damit verbracht haben, diese Aspekte unseres Selbst zu verstecken, zu verdrängen und damit recht komfortabel geworden sind, werden wir uns unbequem fühlen, wenn wir realisieren, dass wir auch Dinge wie Scham, Angst, Ekel, Wut, etc. in uns tragen.

Und das ist die Arbeit auf diesem spirituellen Weg des Erwachens. Die Realisierung, dass wir blind waren. Die Realisierung dass das Leben so traumhaft schön ist und sein kann und dass wir keine konsumierenden, sondern kreative Wesen sind.

Und je mehr wir die innere Arbeit tun, unterdrückte Aspekte unseres Selbst freisetzen und uns von dieser kosmischen Liebe fluten lassen, desto mehr Energie setzen wir frei und können FÜÜÜHLEN… und desto mehr spüren wir sowohl den Schmerz als auch die unbeschreibliche Schönheit der Existenz. ✨

Hinterlassen Sie einen Kommentar