Emotionale Reife – meiner Ansicht nach ein wichtiger Aspekt des Mensch seins, der leider in der Gesellschaft, in die wir hineingeboren wurden, nicht so hohen Stellenwert erfährt.

Was bedeutet emotionale Reife?

Emotionale Reife – für mich – bedeutet, mit den eigenen Emotionen vertraut und in Verbindung zu sein. Zu wissen, wie man sich gerade fühlt. Ehrlich.
Und da geht’s ja bereits los. Viele von uns leben in einem konstanten Stress und unterdrücken Wut, Angst, Trauer, Frust, nur um nach außen hin als “funktionierend” und “alles im Griff habend” zu erscheinen.

Es gibt in der Gesellschaft Emotionen, die eher anerkannt sind als andere.
So ist Wut meist unerwünscht, weil sie durch ihre rohe Kraft viele einschüchtert und als “störend” und “nervig” wahrgenommen wird. Trauer ist ein Zeichen von Schwäche. Zu viel Freude kommt arrogant und egoistisch rüber und kann ja irgendwie auch nicht so wirklich sein, denn hey, wir brauchen doch unsere gewohnte Dosis Anstrengung.

Offensichtlich sind diese oben beschriebenen Dinge meine Perspektive. Vielleicht hast du eine andere.

Doch was ich, in mir selbst und den meisten Menschen, die mir begegnen, beobachtet habe, ist eine ständige Unterdrückung der eigenen Gefühle.
Kaffee kontert Müdigkeit, Alkohol und Zigaretten Langeweile, Unbehagen, Wut, Trauer, Angst, Unsicherheit [füge Emotion / Gefühl hier ein].
Emotion kann man auf Englisch so schön aufteilen in E=Energie in Motion (Bewegung). Also Emotion ist gleich Energie in Bewegung.

Wenn wir diese Energie sich jedoch nicht bewegen lassen, führt dies zu energetischen Blockaden in unseren Körpern.
Unsere Körper sind pure Energie. Kleinste schwingende Teilchen, die sich zusammenfügen und auf wundersame Weise so einen Menschen bilden.
Wenn wir also diese Energie, in Form von Emotionen, nicht fließen lassen, können nach einiger Zeit alle möglichen körperlichen Beschwerden zum Vorschein treten.

Und leider ist das eine Häufigkeit in der Gesellschaft. Kleinen Kindern wird recht früh klar gemacht, dass ihre Schreianfälle oder ihr zu ausgelassenes Spielen nicht immer angebracht sind.
Das Spektrum des emotionalen und damit des persönlichen Ausdrucks wird somit geschmälert. Geschmälert, damit es in die gesellschaftliche Norm hineinpasst.

So wachsen wir auf und werden zunehmend taub für unser Fühlen.
Alkohol, Zigaretten, Fernsehen, Kaffee, Ablenkungen, “ungesunde Gewohnheiten” – und wir alle haben diese! Check Yourself! – schleichen sich in unser Leben, um unsere emotionalen Löcher zu füllen. Die Löcher, die entstanden sind, weil wir Emotionen und individuellen Ausdruck nicht erlauben, sie tief in unser Un- und Unterbewusstsein geschoben haben.

Die Gesellschaft respektiert den Intelligenz Quotienten, intellektuelle Fähigkeiten und vielleicht auch tolle sportlich akrobatische Künste.

Doch Emotionen sind in den meisten Gesellschaftskreisen eher unter den Teppich gekehrt worden.
Emotional sein ist was für hysterische Frauen und vielleicht Kinder.
Und was passiert, wenn wir erwachsen sind?
Gehen die Emotionen etwa einfach weg? Nein.
Wie bereits erwähnt, wir lernen von recht klein auf, unsere Emotionen zu verurteilen und manche mehr zu mögen als andere, also setzen wir uns ein gekünsteltes Lächeln auf oder einen harten Panzer, der “Alles” aushält.
Während unter all dem Gedöns unsere inneren Kinder sitzen und weinen, schreien, sich ausleben und einfach nur Mensch mit Gefühl sein möchten.

Emotionale Reife ist etwas, was, meiner Meinung nach viele Dinge lösen kann.

Aber was ist denn nun emotionale Reife?

Emotionale Reife ist die Fähigkeit, die eigenen Emotionen wahrzunehmen, anzunehmen und fließen zu lassen.
Das bedeutet, dass wir uns erlauben, ausgelassen und ekstatisch zu sein.
Das bedeutet, dass wir uns erlauben, traurig zu sein und zu weinen.
Das bedeutet auch, dass wir uns erlauben, wütend zu sein.
Wut, eine der vermutlich am meisten unterdrückten Emotionen, kann Angst machen, dann wir stellen uns die Frage “Wenn jede/r ihre/seine Wut raus lässt, dann gibt’s ja nur noch Schlägereien und Kriege” – Das muss so nicht sein.

Wir können lernen, unsere Wut auf eine gesunde und harmlose Art und Weise auszudrücken.
Schreien zum Beispiel. Und da auch das in der Öffentlichkeit aufgrund der Konditionierung schwierig sein kann, können wir unsere Wut in unseren eigenen vier Wänden raus schreien, in ein Kissen schlagen, oder auch in dieses Kissen schreien, falls die Nachbarn nicht zu viel mitbekommen sollen.

Emotionale Reife trägt außerdem zu gesünderen Beziehungen bei.
Wer emotional reifer ist, weiß, dass andere nicht für die eigenen Emotionen/das eigene Wohlbefinden verantwortlich sind.
Wer emotional reif ist, versteht, dass er/sie als erwachsener Mensch die Macht hat, seine/ihre eigenen emotionalen Wunden zu heilen.

Wer emotional reif ist, fragt nach dem, was er/sie braucht und erwartet nicht, dass andere Menschen seine/ihre Gedanken lesen können.

Emotionale Reife bedeutet, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass wir als Menschen Emotionen haben. Und dass es okay ist, diese zu haben.
Dass alle Emotionen okay sind und ein Mensch für den Ausdruck jeglicher Emotion liebenswert ist.

Emotionale Reife ist das Verständnis dafür, das wir energetische Wesen mit Gefühlen sind und dass wir, wenn wir diese Gefühle erlauben und gesunde Wege nutzen, um sie auszudrücken, gesündere Wesen sind.

Emotionale Reife ist, meiner Ansicht nach, ein essentieller Teil in gesunder menschlicher Evolution.
Wenn Emotionen akzeptiert und ausgedrückt werden, dann brauchen sie keine anderen verworrenen Ausgänge wie Gewalt gegen andere, Depression, Sucht, passive Aggressivität, Gefühlslosigkeit, körperliche Beschwerden…, sondern können fließen und so den menschlichen Organismus in seinem Wachstum der Selbsterforschung begleiten.

Denn letzten Endes ist unser menschlicher Körper dafür hier, um das Leben zu erforschen.
Dieser Teil ist ein integrierter Teil im Menschen. Schon immer wollten wir wissen, wo wir herkommen, was sich sonst noch auf der Erde und im Universum befindet.

Wir befinden uns als Menschheit an einem Punkt, wo wir uns entscheiden können: Wollen wir als starrsinnige Fleischroboter durch die Welt trampeln oder uns mit der Tatsache unserer energetischen Natur verbinden und diese zu unserem Besten nutzen?

Wir können uns aussuchen, in welche Richtung wir unsere Energie senden möchten. Jede und jeder einzelne von uns hat die Macht, dies zu tun 💙

Namaste

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